EmerGO: Eine Plattform zur Identifizierung und Reduzierung persistenter und neu auftretender Schadstoffe

Lösungen für eine langfristige schadstofffreie Lebensmittel- und Getränkeproduktion

In der europäische Lebensmittel- und Getränkeindustrie verursachen Reinigungsprozesse bis zu 70 % des gesamten Wasserbedarfs. Dabei werden persistente Schadstoffe, wie z. B. PFAS, Mikroplastik oder Antibiotikarückstände, sowie bisher unbekannte Schadstoffe freigesetzt. Diese Stoffe sind in herkömmlichen Kläranlagen kaum abbaubar. Komplexe Schadstoffmischungen und die Bildung von Abbau- und Umwandlungsprodukten erschweren ihre Überwachung und Behandlung.

Das EU-Projekt EmerGO entwickelt neue Technologien und digitale Werkzeuge, um solche Schadstoffe frühzeitig zu erkennen, gezielt zu reduzieren und Wasserressourcen effizienter zu nutzen.

Forschung und Wissenstransfer für Verbraucher:innen und Umwelt

Ein wesentlicher Teil der Vision ist das Empowerment der Verbraucher:innen. Durch Transparenztools soll das Vertrauen gestärkt und eine Marktnachfrage nach schadstofffreien Produkten erzeugt werden.

Hierfür stützt sich das Projekt auf vier strategische Säulen:

  1. Identifikation von Emissions-Hotspots in den Sektoren Fleisch, Saft und Süßwaren

  2. Entwicklung kosteneffizienter Echtzeit-Sensoren und KI-gestützter Analytik zur Erkennung komplexer Schadstoffgemische im Abwasser

  3. Validierung innovativer Technologien wie fortschrittliche Oxidation und Hybridmembranen unter realen industriellen Bedingungen

  4. Überführung der Ergebnisse in neue Richtlinien zur Schadstoffentfernung aus dem Abwasser und Entwicklung von Eco-Labels sowie Bildungsspielen für Konsument:innen.

Bewertung und Optimierung neuer Behandlungsverfahren

Das Kompetenzzentrum Wasser Berlin (KWB) leitet das Arbeitspaket zur Entwicklung des Most Effective Treatment Train (METT)-Tools.

Das Tool soll die effektivsten Behandlungsketten zur Entfernung bzw. Reduzierung von bisher unbekannten Schadstoffen im Abwasser der Lebensmittel- und Getränkeindustrie vorhersagen. Statt durch aufwändige Versuchsreihen zu testen, mit welchen Verfahren diese Stoffe am besten entfernt werden, können ihre molekularen Eigenschaften und ihr Verhalten modelliert und anhand dieser Erkenntnisse die effektivste Methode zur Abwasserbehandlung abgeleitet werden.

Das Tool wird gemeinsam mit dem QSAR-Lab (Polen), EURECAT (Spanien) und dem Umweltforschungszentrum Leipzig entwickelt.

Weitere Arbeiten vom KWB haben das Ziel, die Auswahl der bestgeeigneten Verfahren zu vereinfachen, indem

  • die Umweltwirkungen der Verfahrensketten mithilfe von Ökobilanzen (Life Cycle Assessment, LCA) bewertet und Betriebskosten analysiert werden,

  • die  Adsorptionsprozesse mit Aktivkohle experimentell optimiert werden, indem bewertet wird, welche Aktivkohle für welchen Stoff am besten geeignet ist und

  • die Vorhersagemodelle des Tools validiert werden.

Rückgewinnung statt Verschmutzung

EmerGO will zur Erreichung der europäischen „Zero-Pollution 2050“-Vision beitragen und die EU-Ziele im Hinblick auf „saubereres Wasser bis 2030“ unterstützen.

Das Projekt soll den Übergang von linearen Modellen zu einer zirkulären Bioökonomie ermöglichen, in denen Wasser wiederverwendet und Salze oder Reagenzien zurückgewonnen werden.

Dafür verbindet EmerGO erstmals Echtzeit-Monitoring, KI-gestützte Analytik und innovative Behandlungstechnologien in einer gemeinsamen Plattform. So können Schadstoffe nicht nur besser erkannt, sondern auch gezielt und ressourceneffizient entfernt werden.

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